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Warum ich immer Probleme mit Essen und Umzug hatte

Warum ich immer Probleme mit Essen und Umzug hatte

Welche Ängste tragen wir in uns, die nie unsere eigenen waren?

Manchmal frage ich mich, warum bestimmte Ängste in mir so tief sitzen, obwohl ich sie nie selbst erlebt habe. Welche Ketten verbinden uns noch unsichtbar mit unseren Vorfahren?

Warum Essen für mich nie nur Essen war. Ich habe mal fast dreißig Kilo mehr gewogen. Ich habe bis vor zehn Jahren einfach alles in großen Mengen gegessen, was viele Kohlenhydrate hatte. Und ich hatte immer eine „Überlebens-Box“ mit Essen dabei. Auf Konzerten, bei Ausflügen und Treffen mit Freunden. Dafür habe ich sogar einen Spitznamen bekommen.

Erst mit den Jahren begann ich zu verstehen, dass unsere Geschichte oft viel früher beginnt als mit unserer eigenen Geburt.

Mein Vater hat immer große Mengen an Lebensmittel gebunkert. Er wollte sogar einen Bunker bauen. Kein Witz. Nicht ein bisschen Vorratshaltung – sondern aus echter Angst heraus. Die Angst vor einem neuen Krieg. Die Angst davor, plötzlich nichts mehr zu haben. Für ihn war Sicherheit etwas, das man lagern musste. Konserven. Mehl. Wasser. Vorräte gegen eine katastrophale Erfahrung und Ängste wieder hungern zu müssen – Ängste die innerlich aber nie aufgehört haben.

Heute frage ich mich: Wie viel dieser Angst hat sich still auf mich übertragen?

Transgenerationalen Epigenetik beschäftigt sich genau mit dieser Frage: Können schwere Erfahrungen über Generationen hinweg Spuren hinterlassen?

Vieles deutet darauf hin. Nicht nur durch Erziehung oder Verhalten. Sondern möglicherweise auch biologisch.

Die Epigenetik beschreibt, wie Erfahrungen, Stress oder Traumata beeinflussen können, welche Gene stärker oder schwächer aktiviert werden. Gene sind nicht einfach ein starres Schicksal. Sie reagieren auf Umwelt, Emotionen, Ernährung, Stress und Sicherheit.

Vielleicht erklärt es, warum manche Gefühle älter sind als wir selbst. Vielleicht war meine Angst vor Umzügen nie nur meine eigene Angst. Vielleicht war sie die Erinnerung eines Nervensystems, das gelernt hat: Flucht bedeutet Gefahr. Verlust. Schmerz.

Und vielleicht erklärt das auch meine komplizierte Beziehung zum Essen. Denn wenn frühere Generationen Hunger, Krieg oder Mangel erlebt haben, kann Nahrung unbewusst mit Überleben verknüpft werden.

Doch genau hier wird die Epigenetik auch hoffnungsvoll. Denn wenn Erfahrungen Spuren hinterlassen können, dann können neue Erfahrungen ebenfalls Spuren hinterlassen:

Sicherheit.
Verbundenheit.
Geborgenheit.
Bewusstheit.
Liebevolle Beziehungen.
Ein gesünderer Umgang mit Stress.
Achtsamkeit.
Selbstfürsorge.

All das verändert ebenfalls unsere Biologie der Zellen, unsere Lebensmelodie der Zellen.

Vielleicht ist Heilung deshalb nicht nur etwas Persönliches. Vielleicht ist sie auch etwas Transgenerationales. Vielleicht beginnt in einer Generation jemand damit, hinzuschauen. Muster zu erkennen. Ängste nicht mehr nur weiterzugeben, sondern zu verstehen. Und vielleicht verändert genau das bereits etwas für die eigenen Kinder.

Diese Frage bewegt mich besonders: Wie viel habe ich unbewusst übernommen – und wie viel konnte ich verhindern, weiterzugeben? Denn Kinder übernehmen nicht nur unsere Ängste. Sie übernehmen auch unsere Fähigkeit, mit ihnen umzugehen.

Vielleicht können wir die Geschichte unserer Familien nicht ungeschehen machen. Aber vielleicht können wir verhindern, dass ungelöste Ängste unendlich weiterwandern. Und die transgenerationalen Ketten, die uns lange festgehalten haben lösen.

Vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Schritte von Heilung und Selbstwirksamkeit:
Nicht perfekt zu sein. Sondern bewusst zu werden.

Und manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo man zum ersten Mal sagt: „Das Gefühl gehört vielleicht gar nicht vollständig mir.“

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